Intensivmedizin
Standards in der Intensivmedizin
Notizbuch, basierend auf Erfahrungen im Kreiskrankenhaus Freudenstadt und am SBK Villingen-Schwenningen
Stand: 28.08.2006
Indikation
Kriterien zur postoperativen Verlegung von Pat. auf ITS:
- allgemein:
- Wunsch des Operateurs
- Respiratorische Insuffizienz
- ASA 4 / 5
- Blutverlust intraoperativ > 1 l
- Körpertemperatur am OP-Ende < 35° C
- RR intraoperativ < 80 oder > 200 mmHg
- neu aufgetretene Rhythmusstörungen
- neu aufgetretene ST-Veränderungen
- nicht ausgeglichener SBWE-Haushalt
- Adipositas BMI>35
- Op-Dauer > 3h
- Hypothermie<35°
- nach folgenden chirurgischen Eingriffen:
- große Oberbaucheingriffe (z.B. Gastrektomie)
- Ileus (i.d.R. hohes Alter, Elektrolytstörungen...)
- SHF Alter > 80 J
- Versorgung von Frakturen mehrerer großer Röhrenknochen
- ist eigentlich obsolet
- nach folgenden gynäkologischen Eingriffen:
- Wertheim-Op
- Totgeburt
- rupturierte EUG
- HELLP-Syndrom
- nach folgenden HNO- Eingriffen:
- OSAS
- TE-Nachblutung
Scores
Glasgow Coma Scale
Durch Addition 3 bis 15 Punkte möglich, Punktzahl kleiner 8 entspricht einer schweren Störung
- Augenöffnen
- Spontan 4
- Auf Anruf 3
- Auf Schmerz 2
- Keine Reaktion auf Schmerzreiz 1
- Beste motorische Antwort
- Auf Aufforderung 6
- Auf Schmerz gezielt 5
- Auf Schmerz ungezielt 4
- Beugesynergismen 3
- Strecksynergismen 2
- Keine Schmerzabwehr 1
- Verbale Antwort
- Koordiniertes Gespräch 5
- Unkoordiniertes Gespräch 4
- Einzelne Wörter 3
- Unverständliche Laute 2
- Keine Antwort 1
Spezielle GCS für Kinder
Ramsey-Score
Ziel bei maschineller Beatmung: 2-3
- 1 = wach, ängstlich, unkooperativ
- 2 = wach, kooperativ, ruhig
- 3 = weckbar auf Ansprechen
- 4 = weckbar durch Schulterklopfen
- 5 = weckbar durch Schmerzreiz
- 6 = komatös
Apache 3: Acute
17 physiologische Variablen
- incl. Glasgow Coma Scale, Alterspunkte, Begleiterkrankung, 78 diagnostische Kategorien, davon schlechtester Wert in den ersten 24 Stunden
Wie wird der APACHE-III-Score berechnet?
- Zunächst wird der Patient einer der 78 Krankheitskategorien zugeordnet.
- Wurde der Patient von einer nichtoperativen oder operativen Station verlegt? War es ein Notfall?
- Jetzt erfolgt eine Berechnung des APACHE-III-Score-Wertes für die 17 physiologischen Parameter.
In den APACHE III gehen die jeweils schlechtesten Werte während der ersten 24 h auf der Intensivtherapiestation ein. Nun werden zusätzlich die Punkte für das Alter und die Begleiterkrankungen vergeben. Fehlende Parameter erhalten 0 Punkte. Ist ein Patient sediert oder relaxiert und kann der "Glasgow Coma Score" nicht erhoben werden, wird dieser als normal angesehen. Der Wert resultiert aus der Addition der drei Gruppen von Variablen (physiologische Parameter, Alter, chronische Gesundheitsevaluation) und ergibt eine Zahl zwischen 0 und 299.
- Der APACHE III besteht aus 2 Optionen: zum einen aus dem Scorewert und zum Zweiten aus einer Reihe von prädiktiven Gleichungen, die mit einer Referenzdatenbank verbunden sind. Über diese Referenzdatenbank können Aussagen über das Risiko zu sterben auch für einzelne Patienten gemacht werden.
- Für die Berechnung des Risikos der Krankenhaussterblichkeit benötigt man die Regressionskoeffizienzen für die Krankheitskategorie und Informationen darüber, wo die Behandlung vor Überweisung auf die Intensivtherapiestation stattfand. Die Regressionskoeffizienten zur Berechnung können von den Autoren entgeldlich angefordert werden. Die Anschaffung des kompletten APACHE-III-Systems gilt allerdings als relativ kostenintensiv.
SAPS II Simplified Acute Physiology Score
14 physiologische Variablen, Werte vo 0 bis 163
- Alter, Herzfrequenz, systolischer Blutdruck, Temperatur,
- PaO2[mmHg]/FiO2 (bei Beatmung oder Pulmonaliskatheter),
- Urin [L/d], Harnstoff, Leukos, Kalium, Natrium, Serum-Bikarbonat, Bilirubin,
- GCS (vor Sedierung),
- Vorerkrankungen (Metastasierendes Karzinom, Maligne hämatologische Erkrankung, AIDS),
- Zuweisungsgrund (Elektiv, Medizinisch ohne OP, Ungeplant mit OP)
MPM
TISS-28
Verordnungsbogen
- RR systolisch >=80
- MAP >=60
- beim SHT MAP=>80mmHg
- Puls:<100 bei KHK <80
- ZVD: 6 5-15
- Bilanz: 8 500-800
- Temp: 4 >38,5
- BZ: 6 80-110
- Urin: 1 >=0,5ml/kgKG/h
- BGA 12
- Schmerztropf
- Perfusoren: Heparin 200/kg
- 10000IE/50ml/2,1ml/h
- 4-6h nach OP
- Medis: Eigene
- Schmerzmedikation
- Ranitic 2x
- Ulcogant 1Btl 2-3x
- Gastrozepin 2x10mg iv
- Anemet 12,5mg bei Übelkeit
- Dipidolor bei Bedarf
- Alt-Insulin: 1 IE senkt um ca. 25mg% als Initialdosis
- Orale Zufuhr festlegen, ev. mit Operateur absprechen
Medikamente
Schemas, Tabellen, Dosierungen
- Fentanyl: 2,5mg/50ml, 1-4ml/h 0,05mg/ml
- Dormicum: 50mg/50ml 1-4ml/h 1mg/ml
- Supra: 5A/50ml 1-6ml/h
- Dobutrex: 250/50ml, 2-5ml/h
- Arterenol : 5A/50ml, 0-10ml/h, 0,1mg/ml
- Diso 2% : 1000mg/50ml 1-6ml/h
- Novalgin: 5g/50ml 2,1ml/h
- Ketanest 500mg/50ml
- Clont 0,5g 3x/Tag
- Tobramycin 240mg 1x/Tag
- Baypen 4g 3x/Tag
- Augmentan 2,2g 3x/Tag
- Meronem 1g 3x/Tag
- Atosil 5°/50 1-5
- Fluimucil ½-1Amp 2x iv
- Prostigmin 5A/50 5ml/h
- Calcium 1Amp 3-4x langsam
- Cemevit 1Amp
- Konakion 1Amp
- PDK: Naropin 0,2% 3-6ml/h
- Carbo 0,25% 10-12ml
Katecholamintherapie
Antibiotikatherapie
- Gyrasehemmer=Flurochinolone (Ciprofloxazin, Levofloxacin, Moxifloxacin): erhöhte Rate an MRSA
- Ciprofloxacon Gute Wirksamkeit gegen Pseudomaonas aeruginose
- Cephalosporine: Enterokokkenlücken bei allen
- Pseudomonas aeruginosa nur abgedeckt von Cephalosporinen der Generation 3b (Ceftazidim=Fortum, Cefepim=Maxipime) oder 4 (keins in Deutschland zugelassen)
- Häufige Keime bei Cholezystitis: Escherichia choli, Staphylokokken, Streptokokken speziell D-Streptokokken=Enterokokken -> Mezlozilin
Antiarrhythmika
Ulcusprophylaxe
Laxantien
Dauertropf mild: 2-3A Neostigmin hart: 5A Neostigmin auf 50ml über 4-6 h Takus: 1A in 50ml über ca. 6h Gastrografin
Infusionen, Volumenersatz
Volumenersatz
Blutersatz, Transfusionen
- bis 15% Verlust => 1:1 ersetzen, Kristalloide
- bis 25% Verlust => zusätzlich Kolloide, 1:1
- ab 25% Verlust: bis 6 EKs, danach EKs und FFPs im Verhältnis 1:1
Indikationen:
- Hb < 7g/dl
- gemischt venöse Sauerstoffsättigung < 70%
- Alter
- Vorerkrankungen
- SHT
Transfusion
- Mittels Bedside-Test Patientenblutgruppe verifizieren
Parenterale Ernährung:
- Bedarf
- 30kcal/kg/Tag
- Ein guter Intensivpatient nimmt 500g pro Tag ab.
- Stufe I: H2O + Elektrolyte
- 30-40ml/kg/d Flüssigkeit
- 120mval Na+, 80mval K+, 100mval Cl-
- Basis-Lösungen mit viel K+, wenig Na+
- = Jono Bas, Tutofusin
- Stufe II+III: zusätzlich:
- Kohlenhydrate: 30kcal/kg/d => Glucose, Xylit, Sorbit, Fructose, Laevulose
- Aminosäuren: 0,5-1,5g/kg/d
- Spurenelemente
- Vitamine
- Bsp
- 70kg
- H2O 2000ml/d
- Na 120mval
- K 100mval
- Cl 100mval
- Mg 5-10mval
- Phosphat 20mval
- Glucose: 1g = 4kcal => 400g/d
- AS: 1g = 4kcal => 100g/d
- Stufe IV
- zusätzlich Fette, 1g=9kcal
- Beispiel eines Ernährungsplanes für 70kg Patienten
- Tag 0-1 = Stufe I
- Jono Bas 2000ml/d
- + Jonosteril 500-1000ml/d
- => 400kcal
- Tag 1-3 = Stufe II
- AKE 1100, Aminoven 2000ml/d
- + Jono 1/1 500-1000ml/d
- =>480kcal
- Tag 2-4 = Stufe III
- Aminomix 4 / AKE 3000/ Combifusin 2000ml/d, KH(Glucose unbegrenzt, Sorbit und Xylit 3g/kg), Eiweiss (1g/kg) im Verhältnis 4:1
- + Jono 1/1 500-1000ml/d
- + Konakion / Cernevit
- => 1600kcal
- ab Tag 4 = Stufe IV
- Aminomix 2000ml/d
- + Jono1/1 500-1000ml/d
- + Vitamine
- +Spurenelemente
- + Lipovenös 20% 100-500ml/d über 12h, dann 12h Pause
- = 2000kcal, (KH:EW:FE = 50%:20%:30%)
Bausteine:
anstatt Fertiglösungen können auch Einzelkomponenten gegeben werden, z.B. bei Niereninsuffizienz, Leberinsuffizienz, Diabetes.
- Vorschlag
- AS 10% 1000ml,
- Gluc40% 1000ml oder Gx 40% (mit Xylit),
- Na-Phosphat 20mval Zusatz,
- Jonosteril 1000ml,
- Vitamine in NaCl (1A Cernevit+1A Konakion),
- Inzolen HK,
- K-Malat/Cl 100mval über Perfusor,
- NaCl 120mval über Perfusor
Wasser:
- Bedarf
- 750ml
- + Harn
- +500ml/ Grad Temp.Erhöhung
- +Verluste = 30-40ml/kg
- Ausscheidung:
- Niere 500-1500ml
- Darm 100-200ml
- Lunge 500ml
- Haut 300-800ml
Pathologische Verluste:
- Drainage: Vollelektrolytlösung, evtl. Eiweiss (FFP)
- Blutung: Vollelyt, Kolloide, dann EKs, dann FFPs, dann Thrombos
- Erbrechen: pH>4: Vollelyt, wenn pH<4 +Arginin-HCl ja nach BGA
- Schwitzen und Urin: Halbelektrolyt = HD5
Elektrolytstörungen
- Hyperkaliämie
- Ca-Gluconat 10% 10ml iv.
- NaCl 20% 20ml iv oder
- Glucose/Insulin z.B. G20% 250ml + 16-20IE Alt-Insulin.
- K-Verschiebung extra -> intrazell. Raum: NaHCO3 bei Azidose, pH steigt um 0,1 => K sinkt um 0,5mmol/l.
- Dialyse, Austauscherharze
- Hypokaliämie
- 1mmol/l Abweichung 100-200 mmol K bei Serum K >3 sowie 200-400mmol K bei Serum K>3
- max 3mval/kg/Tag, max 20mval pro Std.
- Säure-Basen-Haushalt
- Bedarf: mval NaHCO3/ArgHCl=BE * 0,3 * kgKG
- Bei Positivem BE: auch Diamox 500mg
Beatmung
Lungenprotektive Beatmung
Herstellung des nötigen Gasaustausches mit möglichst geringer Traumatisierung der Lunge Prinzipien · Zugvolumen reduzieren auf 6ml/kgKG, AMV über höhere Frequenz erreichen · nur sowie FiO2 wie nötig o Oxygenierungsquotient pO2/FiO2 -> was genau? · mindestens 5mbar PEEP o wenn vom Kreislauf her möglich weiter erhöhen o Verwendung von geschlossenen Absaugsystemen o Nach jedem Absaugen blähen mit 35cmH2O · I:E Richtung 1:1 und darüber
Nichtinvasive Beatmung
Siehe Artikel: Intranet\Pdf\Nichtinvasive Beatmung Intensivup2date s-2005-861117 .pdf
Spezielle Techniken
ZVK, Sheldon, Schleuse
Arterie
Pleuradrainage
Tracheotomie
Siehe Artikel: Intranet\Pdf\Perkutane Dilatationstracheotomie Anästhesist 2005-09.pdf
Pulmonaliskatheter
Hämofiltration
Lagerungstherapie
Spezielle Krankheitsbilder
Sepsis
Early goal directed therapy umfaßt:
- Frühestmögliche Kreislaufstabilisierung durch
- Volumenzufuhr bis ZVD>10-15mmHG
- Diurese>0,5mg/kg/h
- Urinnatrium>30
- Katecholamine, wenn trotzdem notwendig
- Pulmonaliskatheter erwägen
- Intensivierte Insulintherapie
- Ziel: Normalisierung der Blutzuckerwerte auf 80 bis 110 mg/dl
- Durchführung: 1-4stündliche BZ-Kontrollen, Gabe von Altinsulin über Perfusor bis 12IE/h
- Ab 100 I.E. Insulin/24h Umstellung auf Diabetes-Kost, z.B. Glucerna
- Niedrig dosiertes Hydrocortinson
- Bolus von 2mg/kg KG
- Kontinuierliche Gabe von 4mg/kg KG/24h
- über 2-3 Tage ausschleichen
- Lungenprotektive Beatmung : Siehe Unterkapitel Beatmung
Polytrauma
SHT
- Therapeutische Ziele
- MAP von mind. 80mmHg
- PaO2 von mind. 80mmHg
- Hb?
- Hirndruckmessung
- Indikation
- Meßarten
- Hirndrucksenkende Therapie
- Mannit
Verbrennung
- Ringer-Lösung bzw. Vollelektrolyt infundieren
- In den ersten 24h keine Kolloide, weil diese durch den Kapillarschaden in das Interstitium gelangen und das Ödem verstärken.
- Parklandformel
- 4ml x % verbrannter Körperoberfläche x kg KG in 24h, davon die Hälfte in den ersten 8h
- Ludwigshafener Formel
- Infusionsmenge in ml = % verbrannter Körperoberfläche x kg KG
- Diese Menge jeweils infundieren in
- 1. 4h
- 2. 4h
- 3. 8h
- 4. 8h
- 5. 24h
- 6. 24h
- Höchstdosierte Kalorienzufuhr
- 25kcal/kg + 40kcal x % verbrannter Körperoberfläche
- Fette, Spurenelemente, Zink, Vitamine.
- Frühzeitig Eiweißtherapie
- Richtwert 2g Humanalbumin pro % Verbrennung
- Ziel: Gesamteiweißspiegel >3,5g/dl
- Zentrale Verbrennungsbetten
- 040 / 2882-3998
Vergiftung
DIC
Pankreatitis
- Pankreasnekrose
- Carbapeneme, alternativ Chinolone + Metronidazol, Cephalospiron+Metronidazol
- bei unklarer Sepsis an Pilze denken!
Abdominelles Kompartment-Syndrom
HELLP-Syndrom, Gestose
wichtige Differenzialdiagnosen des HELLP sind:
* HUS * TTP
Komplikationen beherrschen, an DIC und Hyperfibrinolyse denken