Notfallmedizin

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Kardiologische Notfälle

Dekompensierte Herzinsuffizienz

Kardiogener Schock

Herzrhythmusstörungen

Einteilung
  • Nach der Frequenz
  • Regelmäßig oder unregelmäßig
  • Nach der Breite des QRS-Komplexes


Akutes Koronarsyndrom

Lyse

EKG Grundlagen

  • Hinterwand Ableitungen II, III, aVF
  • Lateralwand I, aVL, selten auf V5, V6
  • posteriore Hinterwand spiegelbildlich in V1, V2
  • Vorderwand V2-V6
  • anteroseptal V1-V2
  • anterolateral V6, V6, I, aVL
Blockbild
  • R-R’-Konfiguration
  • M-förmige Verbreiterung über 0,12 sec = 3 mm (bei 25 mm/s) = kompletter Schenkelblock
  • < 0,12 sec = inkompletter Schenkelblock
  • R-R’ rechts in V1-V2 = RSB
  • V5-V6 = LSB
  • Schenkelblock erlaubt keine EKG-Auswertung !
Einschlusskriterien
  • Katzenbuckelartige ST-Hebung um 0,1 mV Extremitäten bzw.
  • 0,2 mV Brustwandableitungen sind infarkttypisch,
  • wenn sie in 2 benachbarten Ableitungen auftreten. 1 mV = 10 mm
Typische Infarktsymptomatik

Drückend, ziehend, anhaltend linksthorakal, retrosternale Schmerzen, mögliche Ausstrahlung in linken Arm, Schulter, Oberbauch, Unterkiefer, nicht atemabhängig oder auf Druck auslösbar.

Präklinisch
  • Infarktschmerz < 3h
Alter
  • Blutungsrisiko steigt jenseits der 75.


Absolute Kontraindikationen
  • Ischämischer Hirninfarkt innerhalb der letzten 2 Monate
  • Hirnblutung, intrakranieller Tumor, zerebrale arteriovenöse Malformation, zerebrale Aneurysmen in der Anamnese
  • ZNS-OP, SHT innerhalb der letzten 2 Monate
  • Persistierende unkontrollierbare Hypertonie > 180/110 mmHG
  • Aktive innere, GI oder urogenitale Blutung
  • Blutung aus nicht kompressiblen Gefäßen
  • Hämorrhagische Diathese
  • Aortendissektion
  • Akute Endokarditis, Sepsis
Relative Kontraindikationen
  • Ischämischer Hirninfarkt oder TIA vor mehr als 2 Monaten
  • Kardiopulmonale Reanimation mit Rippen- / Sternum-Fraktur
  • Proliferative diabetische Retinopathie
  • Schwangerschaft und erste Woche postpartal
  • i.m. Injektion vor < 24h
  • Antikoagulanzientherapie Marcumar
PTCA-Indikation
  • Überschreitung des Zeitfensters 12-24 h
  • kardiogener Schock
  • Rescue-Lyse bei erfolgloser Lyse
  • sekundär nach erfolgreicher Lyse

Therapie

  • Sauerstoffgabe
  • Lagerung
  • Aspisol 500mg i.v.
  • Vor Lyse Heparinbolus 4000-5000 I.E.
  • Analgesie Morphin 5-10-20 mg + Paspertin oder Haldol
  • RR >100 mmHg syst. Beta-Blocker

Neurologische Notfälle

Status epilepticus

  • Lorazepam (Tavor) 0,1 mg/kg i.v. (2 mg/min., ggfs. wiederholen, max. 10 mg)

oder (falls fehlende individuelle Erfahrung des Erstbehandelnden mit Lorazepam):

  • Diazepam (Valium) 0,25 mg/kg i.v. (5 mg/min, ggfs. wiederholen, max. 30 mg)

oder

  • Clonazepam (Rivotril) 1-2 mg i.v. (0,5 mg/min., ggfs. wiederholen, max. ca. 6 mg)

(Bei initialer Gabe von Diazepam und Clonazepam, nicht obligatorisch bei Lorazepam, möglichst schon innerhalb von 10 min. nach Erstgabe Phenytoin-Aufdosierung über getrennten i.v.-Zugang)

danach, ggfs. parallel über den separaten i.v. Zugang

  • Phenytoin 15-20 mg/kg i.v. (50 mg/min. über ca. 5 min., Rest über 20-30 min., maximal 30 mg/kg)

Ferner zu beachten

  • Bei initialer Nichtverfügbarkeit eines i.v.-Zugangs: Diazepam 10-20 mg Rektiole rektal

auch durch erstbehandelnde Laien, alternativ Lorazepam (z.B. Tavor expidet 2,5 mg oral, wiederholen bei Fortdauer des Status, in der Klinik zentralvenöser Zugang.

  • Akute hochdosierte Phenytoin-i.v.-Gabe immer unter Monitoring von RR und EKG.
  • Lorazepam muss gekühlt aufbewahrt und zur Injektion verdünnt werden
Bei Therapieversagen nach Benzodiazepin- und Phenytoingabe
  • Thiopental 4-7 mg/kg als Bolus oder
  • Propofol 1-2 mg/kg i.v. als Bolus oder
  • Midazolam 0,2 mg/kg i.v. als Bolus
Medikamente fernerer Wahl
  • Lidocain (Infos besorgen!), Paraldehyd, Isofluran, Chloralhydrat

Narkose

Patienten im Rettungsdienst sind praktisch nicht nüchtern -> Crush-Einleitung, Intubationsnarkose

Medikamente

Hypnotika
  • Etomidate 0,2-0,3 mg/kg = 20 mg/70 kg
    • Fast keine Kreislaufwirkungen, gut für alles
  • Trapanal 5 mg/kg = 350 mg/70 kg
    • Nicht bei Asthma bronchiale, instabilem Kreislauf
    • Senkt den Hirndruck, deshalb ev. beim SHT
  • Dormicum
    • 2-3 mg bei 70kg, dann nach Wirkung 2-3 mg nachgeben
    • Zur Einleitung direkt nicht geeignet wg. langsamem Wirkbeginn, aber zur Narkoseführung gut
Analgetika
  • Morphin
    • 2,5-5 mg initial, je nach Schmerzen auftitrieren
    • Antiemetikum empfohlen: z.B. Paspertin oder Haldol
    • Soll den pulmonalen Druck vermindern und deshalb positiv bei Myokardinfarkt, Lungenembolie sein.
    • Dafür gibt’s aber keinen Beleg.
    • Erhöht den Tonus der glatten Muskulatur und deshalb bei Koliken schmerzverstärkend.

·*Fentanyl

    • 0,05-0,1 mg (halbe bis eine Ampulle) initial, dann nach Wirkung (0,2-0,3 mg)
  • Novaminsulfon = Novalgin
    • 1-2 g langsam oder Infusion
  • Ketanest (ohne S!)
    • 0,25-0,5 mg/kg initial (20-40 mg bei 70 kg), nach Wirkung
    • Wirkt sympatomimetisch -> ideal im Schock, KI Myokardinfarkt
    • Hypersalivation -> ev. Atropin dazu


Muskelrelaxantien

  • Succinyl = Lysthenon
    • 1,5 mg/kg = 100 mg/70kg
    • Wirkt nach 30sec für ca. 5min
  • Vecuronium = Norcuron
    • 0,08 mg/kg = 6 mg/70kg
    • Wenn die Beatmung problematisch ist und der Tubus sicher drin ist!
    • Wenn eine tiefe Narkose ohne Zwischenatmung oder Pressen notwendig ist (z.B. SHT)